Auf diesem Blog möchte ich mich mit Themen wie Liebe, Beziehungen, Sex, Lebensentwürfe und Lifestyle beschäftigen und auch einige persönlichen Erfahrungen teilen. Ich wende mich seit einer Zeit immer mehr von dem Modell der romantischen Zweierbeziehung ab und entdecke immer mehr Alternativen, an denen ich mich gerne probiere. Die Artikel sind thematisch gesammelt, schaut einfach mal rein!
vor einiger Zeit habe ich mich mit Freunden verabredet um an einem Flunky-Ball-Turnier mitzumachen, weil wir aber so viele Leute waren mussten wir uns in zwei Teams aufteilen und ich habe schließlich ganz aufs Mitspielen verzichtet und die Szenerie beobachtet.
Als es losging wollte eine Freundin auch mal werfen, für deren Team war es bis dahin nicht so gut gelaufen weil schon einige von ihnen daneben geworfen hatten. Bevor sie werfen konnte hob sie den Arm um zu zielen und ihr (fester) Freund kam ihr dazwischen und meinte sie solle den Ball doch lieber von unten so über dem Boden lang werfen, wo sie eigentlich direkt auf die Umschmeißdose geworfen hätte. Sie versuchte es so wie er es ihr gesagt hatte und der Ball ging hoffnungslos daneben, beim zwieten Versuch nochmal das Selbe. Vor dem Dritten Versuch war sie angekotzt darüber dass sie so schlecht war und übte in der Pause zwischen zwei Runden noch mit mir vier fünf mal aus einer ähnlichen Entfehrnung zu treffen, es funktionierte, so wie sie, also von oben und direkt, werfen wollte. Da ihr Team insgesamt so schlecht war dass es nur noch ein Runde zu spielen hatten, hatte meine Freundin nur noch zwei Versuche zu werfen, die sie beide traf!
Dies war ihr erstes Flunky-Ball-Spiel, das wusste ihr Freund auch. Die anderen Freunde auch. Es war auch das erste Spiel, das ihr Freund spielte, die beiden hatten also vorher noch nie zusammen gespielt, und er hat sie vorher auch noch nie wirklich werfen sehen (außer Klamotten durch ihr Zimmer, wie sie mir auf meine Nachfrage erzählte). Sie war das einzige Mädel im Team. Keiner in ihrem Team war herausragend begabt im Werfen.
Warum das nicht okay ist
Diese Selbstverständlichkeit ihr noch vor einem ersten eigenständigen Versuch Ratschläge zu geben, wie sie besser werfen sollte, würde ich hier durchaus als sexistisch beschreiben, die Situation spricht für sich. Wie gesagt wusste er nicht wie gut sie werfen kann und hat sich sofort bei ihr eingemischt, und nur bei ihr.
Er hätte genauso gut auch den anderen (Typen) Werfunterricht geben können, hat er aber nicht, wahrscheinlich weil er sich an die nicht rantraute. Und auch dass sie den Rat erstmal angenommen habe ohne groß zu zögern, zeigt, wie sie auch selber da drinne war und sich auf die Position, auf die sie seiner Meinung nach gehörte, verweisen lassen hat. Nämlich auf die des einzigen Mädels im Team, das natürlich nicht werfen kann, und dem Mann Vorschriften machen kann. Klingt hart, isses auch, wenn mensch sich das mal so auf der Zunge zergehen lässt. War natürlich nicht okay, weil sie nicht so behandelt wurde, wie sie ist, sondern so wie er es von ihr erwartete, denn in der Situation hatte er ja keine Infos für den Fall, Stichwort Klischees. Eine andere logische Erklärung fällt mir dafür nicht ein.
Jetzt könnte jemand einwenden, dass sicherlich nicht ihr Geschlecht (und damit verknüpfte Klischeevorstellungen), sondern deren enge Beziehung zueinander ausschlaggebend für dieses Verhalten war, schließlich ist mensch bei unbekannteren Leuten vorsichtiger Ratschläge zu geben.
Sicherlich ist dies auch ein ausschlaggebender Faktor, jedoch war die Stimmung zu der Zeit auf dem Turnier eine ziemlich ausgelassene, schließlich haben wir uns mit Bier vollgekippt an einem schönen Sommertag. Und er ist mittlerweile auch vertraut genug mit den anderen (er kam später in die Clique) sodass er mit den anderen schon auch lustige Bullshitgespräche führt, meiner Meinung nach wäre die Hemmschwelle da also doch nicht so groß gewesen.
Außerdem kommt dazu dass sexistische Denke in einer festen Beziehung sicherlich leichter ihre Bahnen ziehen kann, gerade weil menschen sich mögen und nichts riskieren wollen, zum Beispiel Streitigkeiten wegen Kleinigkeiten. Und weil menschen sich sicherlich einfacher verzeihen und auch schneller vergessen oder Dinge kleinreden, damit nichts zwischen ihnen steht.
Handlungsoptionen sind soweit ich das überblicke: direkte Reaktion und Konfrontation des Herren mit seiner Klischeehaltung, zum Besipiel durch einen saftigen Spruch, genau in der Situation. Da es bei dem Spiel aber um Schnelligkeit geht, wäre es sicher schwierig gewesen, erstmal ne Diskussion anzufangen.(Muss man gucken wie viel es einem selbst wert ist und wieviel Energie mensch gerade hat.)
Dann hätte meine Freundin ihren Freund natürlich noch in einem ruhigen Moment nach dem Turnier auf die Situation ansprechen können, und ihm erklären können warum sie so ein Verhalten blöd findet, und dass er sowas künftig bitte lassen soll. Obwohl das erstmal ein "Gewähren lassen und Mitmachen" ist, scheint es mir für diese spezifische Situation als angebracht.
Jedoch erkenne ich da noch ein Problem: Selbst wenn sie sich mit ihrem Freund einigen kann, heißt das nicht, dass auch alle ihrer Freunde (und wer sonst noch da außenrum stand), auch mitbekommen, dass sie sexistisches Verhalten blöd findet, dabei ist es natürlich wichtig dass auch ihre männlichen Freunde sie nicht sexistisch behandeln! Für das Statement nach Außen wäre also ein Spruch zurück direkt in der Situation doch ganz gut gewesen! Und an dieser Stelle noch ein persönlicher Apell dafür, dass ihr euch eurer Außenwirkung bewusst werdet/seit und diese nicht unterschätzt, es ist sehr wichtig im Auge zu behalten wie mensch von der Außenwelt wahrgenommen wird, denn dies bestimmt immer den Umgangston. Wenn du dich immer wieder (ungerechtfertigterweise auch noch) zurechtweisen lässt, und die Menschen drumherum bekommen das mit, werden sie vermutlich leicht eine ebenfalls überhebliche Umgangsform dir gegenüber an den Tag legen. Um da raus zu kommen sollte sich jede*r für sich selbst einsetzen, ich fürchte sonst funktioniert es nicht.
An letzter Stelle noch ein paar Worte zu meiner Art die Dinge zu beschreiben und zu abstrahieren; das klingt natürlich jedes Mal hart, so einen Situation derart genau auseinander zu nehmen und sie zu benennen (im Alltag sind wir es eher gewohnt über sowas hinweg zu sehen, nicht zuletzt damit uns die Dinge nicht so hart treffen).
Sicherlich hat der Freund keinen unterdrückerischen Plan ausgegrübelt, wie er am besten seine Freundin maltretieren kann, er liebt sie wirklich! Und auch sie ist natürlich nicht pauschal "das Opfer" ihres Freundes oder der Gesellschaft, sondern sie ist eigentlich (natürlich je nach Laune) eine selbstbewusste und sichere junge Frau, die auf sich selber aufpassen kann.
Sexismus ist oft genug eher unterschwellig, wie eine Gesellschaftsnorm in unser Denken und Handeln eingegangen, und das schon seit wir geboren wurden. Von daher würde ich es eher als Gewohnheit im Umgang und Denken beschreiben, die uns lange genug infiltriert wurde, und die die Gesellschaft leider als ziemlich normal, und gottgegeben, und natürlich, und was weiß ich noch alles hält.
Das Negative an Sexismus ist, dass er Menschen auf stereotype Rollen beschränkt, sie in diese Rollen zurückzwängt (damit wir uns leichter im Umgang mit Menschen zurechtfinden können "boah der mit dem Ledermantel und dem grimmigen Blick ist bestimmt gefährlich....die mit den blonden Haaren und dem roten Kleid ist bestimmt nett...")
und Menschen dazu veranlasst sich die anderen Menschen zu wenig individuell zu betrachten und sie nach ihre Bedürfnissen und Äußerungen zu behandeln und zu bewerten ("oh, die Blonde mit dem roten Kleid ist professionelle Boxerin, sicherlich kann sie sich gut durchsetzen...der in dem Ledermantel ist ja super lieb und kuschelig, wie konnte ich den nur für gefährlich halten?"). Das führt dazu dass sich Menschen nicht richtig wahrgenommen fühlen in dem was und wie sie sind und es nervt jedes Mal wieder, wenn jemand einen total blöden und unangebrachten Klischee-Spruch bring.
Von einfachen, vielleicht "harmlosen", Sprüchen zieht sich das durch alle Lebensbereiche und bietet sehr viel Raum für ungerechte Behandlung -> 20% weniger Lohn für Frauen, womit wir bei einem sehr ernst zu nehmenden und essentiellen Thema sind. (Geld braucht jede*r um sich eine Wohnung und Essen zu leisten, oder Rente zu sichern...).
Und warum sollte ich mir eine geringere Bezahlung gefallen lassen, nur weil ich eine Frau bin?!, nein danke!
Passt auf euch auf!