Auf diesem Blog möchte ich mich mit Themen wie Liebe, Beziehungen, Sex, Lebensentwürfe und Lifestyle beschäftigen und auch einige persönlichen Erfahrungen teilen. Ich wende mich seit einer Zeit immer mehr von dem Modell der romantischen Zweierbeziehung ab und entdecke immer mehr Alternativen, an denen ich mich gerne probiere. Die Artikel sind thematisch gesammelt, schaut einfach mal rein!
Im Folgenden möchte ich euch einige Erlebnisse, die ich in meinem direkten oder weiteren Umfeld machte und mache mitteilen, einige davon sind sicherlich auch alltäglich. Sie beziehen sich vor allem auf Sexismus und Sexualisierung und ich erzähle dies um allen Interessierten so gut es geht und nach meinem Wissen zu erklären was daran sexistisch/sexualisiert ist, und warum das nicht okay ist. Ich erhoffe mir damit so vielen Menschen wie möglich den Blick für Sexismus ein bisschen mehr zu schärfen, gleichzeitig kann ich mit den Begründungen die ich gebe schon einiges meines Wissens mit euch teilen und neue interessante Themenfelder andeuten. Ich halte es auch in unserer heutigen Zeit für sehr notwendig, dass jemensch sich mit diesem Thema auseinandersetzt, vor allem aber Frauen und diejenigen, die wegen ihrer Sexualität oder Geschlechtsdefinition häufig betroffen von sexistischen Gängeleien und Übergriffen sind.
Zum Schluss noch eine Triggerwarnung, es werden zum Teil sehr explizit Situationen und Gewalt beschrieben, alles in diesem Tagebuch hat mit Übergriffigkeit zu tun!
In diesem Artikel geht es um Raumnahme und übergriffiges Flirtverhalten!
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Ich war mit einer Freundin in meine Lieblingsclub feiern, wir (Cis-Frauen) tanzten miteinander, als sich ein Typ immer näher an sie herantanzte und sie drehte sich von ihm weg. Er kam immer wieder, berührte sie dann sogar auch, sie drehte sich immer wieder ein Stück weg und sah genervt aus. Sie wollte das nicht. Ich hielt es nicht mehr aus und sagte ihr sie soll dem Kerl doch einfach mal sagen, dass er sie in Ruhe lassen sollte, woraufhin sie antwortete: "Nee, ich kann ja auch einfach weg gehen."
Damit hat sie sich die Handlungsmöglichkeit mit anscheinend weniger Konfliktpotential ausgesucht, so wie es sich den Maßstäben dieser Gesellschaft nach für ein "anständiges Mädchen" gehört, immer schön die Klappe halten und weg gehen wenn irgendwas schief läuft.
Warum das nicht okay ist
Der Typ: wollte offensichtlich meine Freundin anbaggern und hat sich dafür anscheinend an geläufige 'Flirttipps' a la "langsam annähern und kleine Berührungen" gehalten, ohne jedoch wahrzunehmen dass sie sich mehrere Male weg gedreht hat um sich von ihm abzuwenden. Oder er hat es einfach ignoriert.
Wie auch immer ist dies natürlich keine respektvolle Vorgehensweise, ein Abwenden heißt soviel wie "Nein!", das sollte sich jemensch klar machen! Vor allem wenn es mehrere Male kommt. Für den Typen heißt es die Augen besser aufzumachen und nicht einfach ein Abwenden zu ignorieren!
Als Tipp würde ich ihm mit auf den Weg geben, doch bitte nur mit den Augen und der Mimik zu flirten, und erst, wenn ein eindeutiges "Ja"-Zeichen von der Begehrten kommt, sich weiter anzunähern. Das können Zeichen sein wie nicht- Wegdrehen, Anlachen, einen Schritt näher kommen. Aber selbst dann bitte nicht gleich angrabschen! Dazu kommt natürlich das Mann üben sollte positive Zeichen zu erkennen und nicht einfach ein Nichts-Tun oder ein Abwenden als ein "Ja" zu interpretieren.
Meine Freundin: Natürlich ist es jeder selber überlassen wie sie in einer solchen Situation reagiert, denn es braucht jedes Mal erneut einiges an Kraft und Mut sich selber zu verteigen und übergriffige Typen anzupflaumen.
Dennoch, für die Zukunft, und auch als Zeichen (für alle Frauen/Betroffenen), sollte sich jede direkt in der Situation verteidigen oder sich Hilfe dafür holen, um dem Typen in der Situation klar zu machen, dass sein Verhalten scheiße ist. Wenn in der Situation keiner darauf eingeht, werden sowohl der Typ als auch das Umfeld nicht darauf aufmerksam gemacht, dass er sich übergriffig verhalten hat, und könnte sogar annehmen, wenn niemand ein Zeichen dagegen setzt, dass dies ein legitimes Vorgehen ist um zu Flirten.
Wenn meine Freundin dann auch noch weg geht, wird er zwar vielleicht merken, dass sie nicht will, vielleicht aber auch nicht, denn er hat ja auch schon vorherige Zeichen missachtet. In jeden Fall lässt sie ihm dann noch mehr Raum, auf der Tanzfläche einerseits, andererseits mit seiner fragwürdigen Flirttaktik. Das ist allerdings nicht unterstützenswert, da er sich in dem Moment blöd und unsensible verhalten hat und nicht sie, deshalb müsste er wenn überhaupt gehen und nicht sie!
(Als ich ihr das an dem Abend genauso erklärt habe hat sie es zum Glück verstanden und sich nicht verdrängen lassen. Allerdings hat sie sich nicht beschwert, und die Situation einfach hingenommen.)
Ich: habe die Sit. von Anfang an beobachtet und dachte mir schon, dass meine Freundin wahrscheinlich nichts sagen würde, war mir aber nicht sicher. Das war ein Grund warum ich nicht eingeschritten bin, mir wäre es in dem Moment sicherlich leichter gefallen als ihr. Ein anderer Grund war, dass ich sie nicht unabgesprochen darstehen lassen wollte, als müsste sie beschützt werden. Der dritte Grund war auch eine Befürchtung meinerseits, dass sie die Sit. runterspielen könnte, wenn ich ihn wirklich angesprochen hätte, und er es wahrscheinlich geleugnet hätte oder sich hätte rausreden wollen. Und ich möchte irh ja auch nicht vorschreiben was sie für übergriffig zu halten hat. ( Das Rausreden und Runterspielen kommt meiner Erfahrung nach leider oft von Seiten der unsensibel-Übergriffigen vor. Das Abwerten der eigenen Betroffenheit hätte gut zu der 'deeskalativen' Art meiner Freundin gepasst: "Nee, ich kann ja auch gehen.")
Ich hätte mir in der Situation gut geholfen wenn ich meine Freundin einfach gefragt hätte, ob sie das Verhalten in Ordnung fand und hätte sie dazu auffordern können etwas zu tun. Wenn ich dann gemerkt hätte dass sie dass ungerne selber gemacht hätte, hätte ich sie fragen können ob ich den Typen hätte abwimmeln sollen. Insgesamt kann ich mir also merken: mehr Kommunikation und vielleicht auch schon noch früher ansetzten, nicht erst wenn sich alles schon dreimal wiederholt hat. Das hätte es meiner Freundin sicher noch ein Stück einfacher gemacht für ihr Recht einzustehen, wenn sie schon früher meine Unterstützung gemerkt hätte.
Und generell gilt natürlich: Augen offen halten, im Zweifelsfall einfach nachfragen ob was nicht stimmt, auch bei Unbekannten. Und sich im Gedächtnis halten dass wir alle in einem System leben, indem es Betroffenen schwer gemacht wird auf ihrer Unversehrtheit zu bestehen und Probleme anzusprechen, weil die dann gerne von der Öffentlichkeit auf die Betroffenen abgewälzt werden. ( z.B. mit Sprüchen wie "Sei doch nicht so empfindlich!").