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Auf diesem Blog möchte ich mich mit Themen wie Liebe, Beziehungen, Sex, Lebensentwürfe und Lifestyle beschäftigen und auch einige persönlichen Erfahrungen teilen. Ich wende mich seit einer Zeit immer mehr von dem Modell der romantischen Zweierbeziehung ab und entdecke immer mehr Alternativen, an denen ich mich gerne probiere. Die Artikel sind thematisch gesammelt, schaut einfach mal rein!

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Offene Beziehung ausprobieren #2 25.11.13

seit einigen Wochen lebe ich nun in einer offenen Beziehung. Wir haben uns darauf geeinigt dass wir außerhalb unserer Beziehung nicht "Ernstes" haben wollen und dass die Öffnung eher auf der sexuellen Ebene sein soll. Bisher habe ich noch nichts ausprobiert, allerdings war ich seit dem letzten Gespräch mit meinem Freund wieder einige Male alleine weg und hätte die Gelegenheit dazu gehabt.

 

Mal abgesehen davon, dass ich nach den Gesprächen über die Beziehungsöffnung schon ziemlich erleichtert darüber war, dass mein Freund und ich erstmal einen guten Weg gefunden haben, mit meinem Wunsch umzugehen..

habe ich gleich am ersten Abend nach "der Öffnung" gemerkt, wie viel leichter ich mit anderen Leuten umgehen konnte. Ich musste plötzlich nicht mehr ständig den Gedanken im Hinterkopf haben, dass ich ja einen Freund hab und deshalb selber sehr bedacht sein müsste a) niemandem "zu viel" Aufmerksamkeit zu schenken und b) auch niemanden "zu nah" an mich heran zu lassen. Es hat mir Spaß gemacht flirten zu können, und nicht gleich etwas unternehmen zu müssen wenn es jemand bei mir versucht hat. Außerdem fielen mir die Gespräche plötzlich leichter und waren ungezwungener als vorher. Klar, wenn ich nicht exklusiv monogam lebe muss ich gewisse Verhaltensregeln nicht beachten, das erscheint mir eigentlich ziemlich logisch, jetzt beim Schreiben. Ich hatte mir darüber im Vorhinein allerdings gar keine Gedanken gemacht, diese Erleichterung zu spüren hat mich ziemlich überrascht und war, wie gesagt, sehr schön.

Außerdem war ich seit längerer Zeit das erste Mal wieder aufgeregt wegen einer Person, die ich interessant finde. Das war ein Aufgeregt wie "mag die Person mich? trau ich mich einen eindeutigen Schritt zu tun? wie viel kann ich von mir offenbaren? was soll ich überhaupt machen?"- sie hat mich ein bisschen in eine Euphorie versetzt und meine Gedanken durcheinander gebracht, aber schön :)

 

Soweit der Erfahrungsbericht, ich frage mich trotzdem noch wie ich fair mit den Menschen umgehen kann, mit denen ich mich in irgendeine Art Beziehung begebe.

Ich habe mir mal vorgenommen mit jedem neuen Menschen, am Besten noch bevor irgendetwas zwischen uns passiert, Klartext zu reden und meine Gefühle und Erwartungen zu äußern, damit niemand im Ungewissen bleiben muss und sich aber auch niemand unerfüllbare Hoffnungen macht. Und damit sich auch niemand auf einem anfänglichen "lass doch erstmal gucken wie's läuft" ausruhen kann ohne sich Gedanken machen zu müssen, denn ich war bisher schon mehrere Male in diesen unangenehmen Situationen. Theoretisch halte ich das für den fairsten und für mich angenehmsten Weg mit Beziehungen, Liebeleien und Sexgeschichten umzugehen. Aber wenn ich mir vorstelle, dass ich die Person erstmal ausquetschen müsste, bevor wir irgendwas machen könnten, z.B wenn das ganze auf (erstmal) einen One-Night-Stand hinausläuft..pff, dann könnte die Stimmung auch ganz schnell wieder im Keller sein durch so ein ernsthaftes Gespräch, und das wär natürlich schade.

Ich kann mir vorstellen dass die Frage "was möchtest du denn eigentlich grade/ was soll dass hier mit uns werden?" als stressig wahrgenommen werden kann, so nach dem Motto "keine Ahnung, lass doch erstmal gucken wie's läuft". Oder weil Leute sich einfach in so nem Moment keine Gedanken machen wollen, oder weil sie befürchten dass der andere Mensch zu viel oder zu wenig will (was sich natürlich in dem Gespräch klären könnte. Ich glaube trotzdem dass der erste Eindruck dieser Frage negativ nachhängt.) Und es kann natürlich immer vorkommen, dass Menschen einem nach der Nase reden, und nicht die Wahrheit sagen. Meiner Erfahrung nach gibt es nicht viele Menschen die da besonders ehrlich sind und so eine Frage nicht krumm nehmen würden oder komisch fänden.

 

Muss ich mir darum denn überhaupt den Kopf zerbrechen?

Ich hätte ja im Moment jedenfalls nicht das Problem, mir von jemandem zu viel zu erhoffen. Aber es könnte zu wenig für die andere Person sein, in so einem Fall finde ich es persönlich immer ziemlich schwer sagen zu müssen, dass ich eigentlich nicht "mehr" möchte. Aber erst was mit jemandem anzufangen in der Ungewissheit wie viel gewünscht ist, bereitet mir auch ein schlechtes Gewissen, weil ich mir selber doch schon von vorne herein sehr klar darüber bin, wie weit es für mich geht. Ich bin quasi nicht so unvoreingenommen wie wenn ich Single wäre, und gehe nicht völlig offen für alles unter die Menschen. Das kann ja aber bei der anderen Person genau der Fall sein, ist das fair? Und wie fair muss mensch überhaupt sein?

 

Ich bin es selber quasi von Haus und Sozialisation aus sehr lange gewohnt gewesen, mir immer gleich viel mit den neuen Menschen zu erhoffen und wurde natürlich einige Male enttäuscht, (und habe dadurch gelernt, dass Sex erstmal nur Sex ist und ein Date erstmal nur ein Date. Und weitere Dates können auch bloß weitere Dates bleiben ohne dass mensch sich zu irgendetwas verpflichten oder auf jemanden beschränken möchte.)

 

Aus meinen Erfahrungen denke ich, dass doch noch relativ viele Menschen dem Bild der romantischen Liebesbeziehung aufsitzen, und auch dem, dass mensch nur in einer Beziehung zu einem/r festem/r Partner/in glücklich ist.

Da ich niemanden im Unklaren lassen will, wenn ich schon selber weiß was ich möchte, aber in wie weit kann oder muss ich mir an den Hoffnungen anderer eine Mitverantwortung geben?
Natürlich könnte ich mir denken dass jede*r selber auf die eigenen Wünsche klar kommen muss, schließlich habe ich ja auch lernen müssen mit den verschiedenen Interessen umzugehen. Die Menschen könnten ja auch mal ihre Vorstellungen reflektieren und nicht pauschal von jeder Bekanntschaft die super-romantische Zweierbeziehung erwarten, ich könnte es mir leicht machen.

Ich finde es sehr schwierig davon auszugehen, dass diese Erwartungen nur in den Köpfen der Anderen sind und deshalb auch nur sie Verantwortung dafür tragen, da durch ein Nicht-über-Erwartungen-reden davon ausgegangen werden könnte, dass ich ebenfalls auf eine Beziehung aus bin (dieses Bild stellt eine Norm in unserer Gesellschaft dar und wird somit oft genug als "Ausgangspunkt" angenommen.) Ich sehe mich also schon in der Verantwortung wenigstens klar zu machen, dass ich diesen gesellschaftlichen "Konsens" nicht teile.

 

Was tue ich, wenn ich merke dass meine Bekanntschaft eine ziemlich romantische Person ist? Einfach weiter machen, ich hab ja gesagt, dass ich nichts will!? Oder vorsichtshalber nichts anfangen um möglichen Stress aus dem Weg zu gehen? Oder weil ich annehme dass ich die Person auf jeden Fall verletzen würde (obwohl sie vl. schon gesagt hat Weitermachen wäre okay)? 

 

Nichts machen um keinen Stress zu provozieren sollte mensch sich wahrscheinlich wirklich vorbehalten, da es sich hier ja schließlich um reinen Eigenschutz handelt, und ich sag natürlich selber wie viel ich eingehen möchte und verkraften kann.

Wenn dazu allerdings das Argument kommt, die andere Person vor Liebeskummer schützen zu wollen, muss ich mich ernsthaft fragen wie viel ich für diese Person bemutternd bestimmend möchte. Und ob so ein Fremdbestimmen tatsächlich sinnvoller ist, als Erfahrungen machen zu lassen.

Ich finde dass mensch in so einem Akt der Fremdbestimmung der anderen Person zu sehr ihre eigene Entscheidungskompetenz abspricht, dabei sind wir doch beide erwachsene und selbstbestimmte Menschen, mir wäre es wichtig es auch bei dieser Selbstbestimmung der anderen Person über sich selber zu belassen, aus Prinzip. Es ist doch ziemlich anmaßend bestimmen zu wollen, was für eine andere Person das Beste ist.

Dazu kommt, dass ich mit jeder neuen Bekannstschaft ja auch eine neue Chance bekomme, aufzuzeigen dass mensch auch anders leben kann, als nach alten und verstaubten, noch christlichen Idealen. Unter Umständen kann ich damit sehr positive und bereichernde Impulse geben und auch als Schlüsselperson im Gedächtnis bleiben. Ich habe jedenfalls einige solcher Schlüsselpersonen, die mir ein schönes alternatives Leben gezeigt haben, das war für mich sehr befreiend.

 

Um ehrlich zu sein ist dies auch einen Idealvorstellung, die manchmal schwierig in der Praxis umzusetzen ist. Es gibt tatsächlich eine Person in meinem Leben, von der ich ziemlich genau weiß, dass sie gewisse Dinge sehr verletzen würde, und die meine Sicht der Dinge trotz eineiger Versuche nicht annähernd einleuchtend finden kann. Dieser Person würde ich gewisse Dinge verschweigen, um sie nicht zu sehr zu kränken. Dafür würde ich allerdings nicht lügen, sondern eher die Antwort "verweigern". Es hängt also natürlich auch nicht nur gänzlich von mir ab, und Konsequenz gestaltet sich von Zeit zu Zeit als sehr schwierig.

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